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Infrarot-Weltraumteleskop "Spitzer"
lokalisiert in mehr als 13 Milliarden Lichtjahre Entfernung den
schwachen Schimmer der ersten Sterne im Universum. Bislang
tiefster Infrarot-Blick ins All
Bereits im Rahmen der "Hubble Deep
Field"- und "Hubble Ultra Deep Field"-Observationen blickten
Astronomen in den Jahren 1995, 1998 und 2003/04 bis zu 13
Milliarden Jahre in die Vergangenheit – zurück in die Frühzeit
des sichtbaren Universums. Nunmehr hat das NASA-Infrarotfernrohr
Spitzer noch tiefer ins All geschaut und im für das menschliche
Auge "unsichtbaren" Infrarotbereich einen diffusen Lichtschimmer
ausgemacht, der von uralten Sternen herrühren könnte – den
ersten, die nach dem Urknall im Universum entstanden sind. Über
ihre Studie berichten die Forscher in der aktuellen Ausgabe des
britischen Wissenschaftsmagazins "Nature" (Bd. 438).
Der Anblick des Himmels bietet Ungleichzeitiges dar … Vieles ist
längst verschwunden, ehe es uns sichtbar wird; vieles war anders
geordnet.
Alexander von Humboldt, 1845
Astronomen, Kosmologen, Astrophysiker sind Historiker und
Archäologen des Universums. Gefangen und zugleich eingebettet in
der Gegenwart, tauchen sie mit jedem Blick durch das Okular tief
und direkt in die Vergangenheit des Kosmos ein und begegnen
dabei Sternen, Galaxien und Quasaren dergestalt, wie sie einmal
zu jenem Zeitpunkt ausgesehen haben, als das Licht sie gerade "verließ".
Vergangene kosmische Gegenwart
Auch wenn für die auf Lichtwellen reitenden Photonen (die
zugleich die Lichtwelle sind) selbst keinerlei Zeit vergeht, so
dokumentiert doch jedes Photon gleichzeitig den temporären
Charakter des Universums, das wiederum selbst kein statisches,
sondern ein ausgesprochen historisch gewachsenes Gebilde ist.
Schließlich ist jedes Lichtpartikel (jede Lichtwelle), das nach
seiner langjährigen einsamen Odyssee durchs photonenarme All auf
die Erde trifft, ein mit Informationen bepackter Gesandter aus
vergangenen Tagen, den Astronomen sorgfältig zu sezieren wissen.
Schauen diese auf den 2,25 Millionen Lichtjahre entfernten
Andromedanebel (M 31, präsentiert sich ihnen das Abbild einer
kosmo-archaischen Spiralgalaxie, in der viele der dort
eingebetteten Sterne ihr Leben längst wieder ausgehaucht haben.
Es ist eine Momentaufnahme einer fernen Welteninsel, die zu
einer Zeit gemacht wurde, als der Homo rudolfensis, ein Vorfahre
des Homo sapiens, gerade seine irdische Blütezeit erlebte.

13 Milliarden Jahre zurück zum Anfang – zurück zum Urknall. Auf
der "Hubble Ultra Deep Field"-Aufnahme, dem bislang tiefsten
Blick ins All (2003/04), sind rund 10.000 Galaxien zu sehen. (Bild:
NASA/ESA/STScI/HUDF)
Was heutige Forscher mit eigenen Augen und Teleskopen erfassen,
ist ergo nichts anderes als vergangene Gegenwart des Universums.
Sie beobachten am Himmel das Nebeneinander – und wenn sie weiter
hinausblicken, gestaffelt in der Zeit, das Nacheinander – von
Objekten in verschiedenen Entwicklungszuständen.
Spitzenleistung von Spitzer
Am tiefsten ins All blickte bis vor kurzem noch das NASA-Weltraumteleskop
Hubble im Jahr 2003/04 im Rahmen der "Hubble Ultra Deep Field"-Observation.
Mehr als elfeinhalb Tage lang fokussierte sich das Fernrohr auf
einen winzigen Himmelsausschnitt und tauchte dabei 13 Milliarden
Jahre in die Vergangenheit ein. Auf den Astro-Fotos sind 10.000
Galaxien zu sehen, von denen einige einer Zeit entstammen, als
das Universum gerade einmal 400 Millionen Jahre alt war. Es sind
die am weitesten entfernten und jüngsten Galaxien, die je ins
Visier genommen wurden.
Ein tieferer Blick in die Urgeschichte des Kosmos gelang den
Forschern trotz mehrfacher Versuche bislang nicht. Auch wenn
sich die ersten solaren Vertreter im Universum schon rund 200
bis 400 Millionen Jahre nach dem Urknall gebildet haben, konnte
kein Teleskop, kein Astronom die längst erloschenen Sonnen
"direkt" beobachten. Selbst aus der so genannten kosmischen
Infrarot-Hintergrundstrahlung, die das Universum isotrop und
homogen erfüllt, konnten die Forscher bislang noch nicht einmal
das kleinste Glimmen der Ursterne herausfiltern.

Spitzer-Bild von einer Himmelsregion im Sternbild Draco, die
eine Region von 50 bis 100 Lichtjahre zeigt. Oben präsentierten
sich die Sterne und Galaxien, wie sie sich im Optischen
offenbaren bzw. von optischen Teleskopen aufgelöst werden. Unten
ist die gleiche Region zu sehen. Zuvor hatten Kashlinksy und
sein Team allerdings alle "Störquellen" aus dem Bild
herausgefiltert. (Bild: : NASA/JPL-Caltech/A. Kashlinsky (GSFC))
Doch diesen Missstand haben jetzt US-Astronomen mithilfe des
NASA-Infrarot-Weltraumteleskops Spitzer behoben. Als sie im
Sternbild Draco (Drache) einen einzigen Himmelsausschnitt mit
der Infrarotkamera des Astro-Fernrohrs zehn Stunden lang
anvisierten, lokalisierten sie in der Hintergrundstrahlung ein
schwaches Funkeln, das ihrer Meinung nach nur von den
allerersten Sonnen im Universum stammen konnte.
Das Licht der ersten stellaren Vagabunden
Wie Alexander Kashlinsky vom Goddard Space Flight Center (GSFC
in Greenbelt (US-Staat Maryland) in Nature berichtet, bediente
sich sein Team eines Tricks, um aus der für das menschliche Auge
unsichtbaren schwachen Strahlung die gewünschte Information
herauszufiltern. Via Computer und einer speziellen Software
siebten die Astronomen aus den Infrarotbildern alle ihnen
bekannten Sterne, Galaxien etc. heraus, die im Vordergrund der
Aufnahme zu sehen waren. "Übrig blieb ein Bild ohne Sterne und
Galaxien, aber mit einem Infrarot-Glühen dieser gigantischen
Blase, bei der wir denken, dass es sich um das Glühen der ersten
Sterne handelt", so der NASA-Projektwissenschaftler und Co-Autor
des Nature-Beitrages John Mather zur Vorgehensweise des Teams.
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Da auch alle anderen Himmelskörper infrarotes Licht emittieren,
das man von der kosmo-urzeitlichen Hintergrundstrahlung bislang
nicht trennen konnte, sei man bis ans Limit der Möglichkeiten
von Spitzer gegangen. "Wir haben sehr viel Mühe darauf verwendet,
andere Quellen für diese Infrarotstrahlung auszuschließen."
Jedenfalls ähnelt das Glimmen der vermeintlichen Ursterne nach
Ansicht Mathers dem Leuchten einer fernen Stadt, die man aus
einem Flugzeug betrachtet. "Diese Flecken könnten das Glühen der
ersten Sterne sein."
Vor Äonen verschwunden
Gleichwohl lässt sich nicht mit Bestimmtheit sagen, ob das von
Spitzer eingefangene Licht auf die Ursterne oder auf heißes Gas
zurückzuführen ist, das von den ersten Schwarzen Löchern des
Universums verschluckt wurde. "Wir glauben aber, dass wir das
gesammelte Licht von Millionen von Objekten sehen, die sich als
erstes im Universum gebildet haben", erklärt Kashlinsky vom GSFC.
"Die Objekte sind schon vor Äonen verschwunden, doch ihr Licht
reist kreuz und quer durch das Universum."

Das NASA-Infrarot-Weltraumteleskop Spitzer - seit Ende August
2003 im Einsatz. (Bild: NASA/JPL-Caltech)
Die diffusen Lichtquellen, die Spitzer lokalisierte, zeigen
einen Ausschnitt von etwa 50 bis 100 Millionen Lichtjahren und
sind nach Ansicht der Forscher Sterne vom Typ "Population III".
In der Astronomie gelten derlei Objekte als die archaischsten
Vertreter ihrer Art. Population-III-Sterne sind – besser gesagt:
waren einst – keine Sonnen im herkömmlichen Sinne. Vielmehr
bestanden diese Ursterne nur aus den Elementen Wasserstoff,
Helium und Lithium, also aus den Urstoffen, die sich unmittelbar
nach dem Urknall gebildet hatten. Es waren sehr helle, heiße,
dichte und folglich kurzlebige Himmelskörper, die bis zu 100-mal
massereicher waren als unser Heimatgestirn.
Zu empfehlen ist die folgende NASA-Animation.
Die Studie "Tracing the first stars with fluctuations of the
cosmic infrared background" von Alexander Kashlinsky und
Kollegen ist am 3. November 2005 in "Nature" erschienen (Bd.
438, S. 45-50, doi:10.1038/nature04143).
Harald Zaun 10.11.2005
http://sufizmveinsan.com/
Quellen:
www.heise.de
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