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Wenn die Nächte
nicht enden wollen… |
Tipps gegen Schlafstörungen
Schlafen ist gesund, schlafen
ist lebenswichtig. Ungefähr ein Drittel seines Lebens
verschläft der Mensch. Allein in Deutschland leiden jede
Nacht Millionen Ermüdete unter Schlafstörungen, sie können
nur schwer einschlafen, bewegen sich unruhig, während sie
träumen, schnarchen oder haben Atemaussetzer. Andere leiden
tagsüber unter Einschlafattacken, unkontrolliert überfällt
sie ein Nickerchen im Büro oder am Steuer ihres Autos.
Was Schlaf genau darstellt, darüber wird bis heute heftig
diskutiert. Es gibt keine allgemein akzeptierte Definition,
nur die Minimalaussage, dass es sich beim Schlaf um den
Zustand einer geänderten Bewusstseinslage, also nicht um
einen Wachzustand handelt.
Einigkeit besteht dagegen darüber, dass der Schlaf eine
wichtige Voraussetzung für das persönliche Wohlbefinden ist.
Wer schlecht schläft, kann sich nicht regenerieren, und
leidet bald unter verringerter Leistungsfähigkeit,
physischen und psychischen Beeinträchtigungen.
Schlafforschung und Schlafmedizin haben in den letzten
Jahren enorme Fortschritte gemacht. Die Wissenschaftler
verstehen immer besser, was mit den Menschen passiert, die
in Morpheus Arme sinken.
Das Wissenschaftsjournal Nature präsentiert diese Woche ein
Special zum Forschungsstand der Schlafforschung.
Gleichzeitig erscheint ein neues Themenheft des Robert Koch-Instituts
im Rahmen der Gesundheitsberichterstattung des Bundes zum
Thema Schlafstörungen
Schlaf Kindlein schlaf
Babys verschlafen im Durchschnitt 16 von 24 Stunden,
Erwachsene etwas über sieben Stunden. In unserer hektischen
Zeit halten immer noch viele das Schlafen für verlorene Zeit,
der erfolgreiche Manager brüstet sich schon gern mal damit,
mit nur vier Stunden Schlummer auszukommen und zitiert den
Dichter Novalis: "Je weniger Schlaf man braucht - desto
vollkommener ist man." Experten gehen dagegen davon aus,
dass man sechs Stunden pro Nacht schlafen sollte, der echte
Wohlfühlschlaf dauert neun, bei manchen sogar 10 Stunden.
Psychologen beklagen schon lange, dass wir eine
unausgeschlafene Gesellschaft seien (Wir schlafen zu wenig).
Schlafmangel bringt nachweislich den Stoffwechsel aus dem
Gleichgewicht (Zuwenig Schlaf macht alt und krank), wer
allerdings zu lange schläft, lebt ebenfalls ungesund und
stirbt früher (Schlafen gefährdet die Gesundheit). Schlaf
wird durch das Gehirn gesteuert, das dabei eine Vielzahl von
Substanzen ausschüttet und einen komplexen
neurophysiologischen Vorgang verursacht. Eine wichtige Rolle
spielt dabei die innere Uhr, die Chronobiologie (Im Takt).
Der Schlafrhythmus verändert sich im Lauf des Lebens. Wer
gerne spät zu Bett geht und morgens nicht aus den Federn
kriechen mag, wird als "Eule" bezeichnet, der
Frühzubettgeher, der mit den Hühnern wieder, aufsteht als "Lerche".
Diese verschiedenen Chronotypen kristallisieren sich im
Erwachsenenalter heraus. Kinder sind im allgemeinen Lerchen,
als Jugendliche dann Eulen (Der frühe Vogel fängt nicht
immer den Wurm).
In den 50er- und 60er-Jahren wurde entdeckt, dass es
verschiedene Schlafphasen gibt. Nachdem wir eingeschlafen
sind, durchlaufen wir innerhalb von ca. 90 Minuten immer
wieder fünf Schlafstadien. Wenn wir träumen, befinden wir
uns wahrscheinlich in der REM-Phase (REM = Rapid Eye
Movement), bei der unsere Augen sich hinter den
geschlossenen Lidern schnell bewegen. Außerdem gibt es vier
so genannte Non-REM-Schlafphasen, mit zwei Tiefschlaf- und
zwei Leichtschlafstadien. In einer Nacht durchschlafen wir
normalerweise vier bis sechs dieser Schlafzyklen und wachen
zwischendurch kurz auf, woran wir uns aber morgens nicht
erinnern.
Die verschiedenen Schlafstadien können heute im Schlaflabor
durch Messung der Gehirnströme (Elektroenzephalogramm, EEG),
der Augenbewegungen (Elektrookulogramm, EOG) und
Elektromyogramm, EMG) dargestellt werden.
Träum schön
Geträumt wird vor allem (aber nicht nur) in der REM-Phase.
Warum wir träumen, wie wir träumen und die Bedeutung unserer
Träume sind nach wie vor Themen, die Anlass zu heftigen
akademischen Debatten liefern.
Unbestritten ist, dass im Schlaf das tagsüber Gelernte
verfestigt wird. Wer einmal drüber schläft, erinnert sich
besser, das Gedächtnis verbessert sich (Wie war das noch mal
im Mittelteil?). Ausgeschlafen werden bessere Denkergebnisse
erzielt, die Kreativität steigert sich (Ratzen wie
Einstein).
Sigmund Freud stellte 1900 die heute noch sehr populäre
Theorie der Traumdeutung auf, nach der unsere Träume
Ausdruck unseres Unbewussten darstellen, in denen wir unsere
Wünsche erfüllen. In der Psychologie entstanden in der Folge
verschiedene Schule der Interpretation von Träumen (Schulen
der Traumdeutung). Die Neurowissenschaft sieht im Träumen
dagegen vor allem einen kognitiven Vorgang, wozu das Lernen
im Schlaf gehört. Was uns belastet, verarbeiten wir
wahrscheinlich im Schlaf und gleichzeitig organisieren wir
den Speicherplatz in unserem Gehirn neu, Unwichtiges wird
gelöscht, Neues ins Langzeitgedächtnis aufgenommen.
Schäflein zählen
Weltweit leidet etwa jeder Fünfte unter Schlafstörungen. In
Deutschland sind es nach Umfragen sogar 25 Prozent, rund 10
Prozent der Bevölkerung gibt hierzulande an, häufig oder
dauerhaft keinen erholsamen Schlaf zu finden.
Die Ursachen für gestörten Schlaf sind vielfältig und
reichen von körperlichen oder psychischen Ursachen bis zu
Umwelteinflüssen. Die Folgen von nicht erholsamen Schlaf
sind gravierend: Im Wachzustand stellen sich Unwohlsein,
Schläfrigkeit und Leistungsdefizite ein, auf Dauer wird der
Betroffene krank.
Die Somnologie (Schlafmedizin) hat heute ein umfassendes
Instrumentarium für Diagnose und Therapie an der Hand. In
Deutschland gibt es 280 von der Deutschen Gesellschaft für
Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) anerkannte
Schlaflabore. Zusammen mit Experten hat die Schlafforschungs-Gesellschaft
die Leitlinie "Nicht erholsamer Schlaf" erarbeitet.
Im Schlaflabor kann eine genaue Anamnese vorgenommen worden.
Untersucht werden die Schlafstadien, die Atmung, der
Herzschlag, die Sauerstoffsättigung des Blutes,
Schnarchgeräusche und Bewegungen. Die meisten Betroffenen
brauchen allerdings eine so aufwändige Abklärung gar nicht,
allein durch gezielte Befragungen stellt sich bei ihnen
meistens heraus, ob sie ihr Verhalten ändern müssen, um zu
einem ihnen angemessenen Schlaf-Wach-Rhythmus und erholsamem
Nachtschlaf zu kommen, oder ob sie schlafbeeinträchtigende
Substanzen einnehmen. Ebenfalls durch einfache
Untersuchungen lassen sich psychiatrische oder organische
Erkrankungen als Ursache der Schlafstörung ausschließen.
Zurzeit wird gerade an einer Neufassung der internationalen
Klassifikation der Schlafstörungen gearbeitet. Sechs
Hauptkategorien rücken die Experten dabei in den Fokus:
- Insomnien, das sind
Ein- und Durchschlafstörungen mit daraus folgenden
Schlafunterbrechungen und Schlafmangel.
- Schlafbezogene
Atmungsstörungen, das ist in milder Form (Schnarchen mit
verminderter Atmung) oft die Ursache von Tagesmüdigkeit,
in heftiger Form die lebensbedrohliche Schlafapnoe, bei
der Atmung immer wieder aussetzt.
- Als Hypersomnie wird
ein pathologisch erhöhtes Schlafbedürfnis bezeichnet,
das heißt, der Patient leidet unter übermäßiger
Tagesmüdigkeit, meistens weil sein Nachtschlaf gestört
ist, ohne dass er es bemerkt. Wenn jemand, ohne es
kontrollieren zu können, plötzlich z.B. am Arbeitsplatz
oder am Steuer seines Autos einschläft, leidet er unter
Narkolepsie.
- Störungen des
zirkadianen Rhythmus: Der Wach-Schlaf-Rhythmus ist aus
dem Gleichgewicht, z.B. durch Jet-Lag, Schichtarbeit
oder Zeitzonenwechsel.
- Parasomnien
unterbrechen den erholsamen Schlaf, das bekannteste
Beispiel ist das Schlafwandeln
- Schlafbezogene
Bewegungsstörungen, z.B. das Restless Legs Syndrom,
körperliche Unruhe, die tiefen Schlaf verhindert
Schäflein zählen funktioniert nicht. Aber bei vielen
Menschen, die unter Einschlafstörungen leiden, helfen schon
einfache Verhaltensänderungen. Stressverminderung, mehr
körperliche Bewegung, autogenes Training vor dem Zubettgehen,
eine Temperatur von maximal 18 Grad im Schlafzimmer und
feste Zeiten zum Einschlafen. In schwereren Fällen ist die
Einnahme von Medikamenten sinnvoll, oder bei Apnoe auch der
Einsatz von Atemmasken.
Die Grundregeln für bessern Schlaf sind einfach
- Gehen Sie
grundsätzlich erst dann schlafen, wenn Sie sich müde
fühlen.
- Stehen Sie auf, wenn
Sie nicht einschlafen können, und lenken Sie sich mit
einer Beschäftigung ab. Schlafen Sie nicht außerhalb des
Bettes ein. Gehen Sie erst dann wieder ins Bett, wenn
Sie sich schläfrig fühlen. Wiederholen Sie diesen
Vorgang so oft wie nötig, wenn Sie nachts nicht schlafen
können.
- Stehen Sie zu
regelmäßigen Zeiten auf, auch am Wochenende und im
Urlaub.
- Im Bett sind nur
Schlafen und Sex erlaubt. Sie sollten im Bett nicht
lesen oder essen und keine beruflichen Unterlagen
bearbeiten.
- Vermeiden Sie das
kleine Nickerchen am Tage. Wenn Sie das Müdigkeitsgefühl
tagsüber nicht mehr kontrollieren können, schlafen Sie
maximal eine Stunde und möglichst nicht nach 15 Uhr.
- Nehmen Sie vier bis
sechs Stunden vor dem Schlafengehen keine
koffeinhaltigen Getränke oder Medikamente zu sich.
- Rauchen Sie
grundsätzlich nicht vor dem Schlafengehen oder während
der Nacht.
- Trinken Sie vier bis
sechs Stunden vor dem Schlafengehen keine alkoholischen
Getränke.
- Nehmen Sie vor dem
Schlafengehen keine schweren Mahlzeiten ein. Eine
leichte Nachtmahlzeit kann hingegen schlaffördernd
wirken.
- Betreiben Sie 6
Stunden vor dem Schlafengehen keinen körperlich
anstrengenden Sport.
- Beseitigen oder
reduzieren Sie lästige Lichtquellen, Lärmgeräusche und
extreme Temperaturen im Schlafzimmer. (vgl.
Schlafhygiene).
Viel ist inzwischen bekannt und trotzdem besteht immer noch
Fort- und Weiterbildungsbedarf. Eine halbe Million Menschen
nimmt täglich in Deutschland Schlafmittel – oft unnötig und
mit Folgen von Abhängigkeit.
2003 beschloss der Deutsche Ärztetag die Zusatz-Weiterbildung
Schlafmedizin. Prävention bleibt dabei das oberste Ziel. In
seinem Themenheft kommt das Robert-Koch-Institut zu dem
Schluss:
Das gesundheitliche Ziel besteht darin, die
wissenschaftlichen gesicherten Erkenntnisse der
Schlafmedizin zu nutzen, um allen von nicht erholsamen
Schlaf und seine Folgen schwerwiegend betroffenen, sowie
allen, die erhebliche schlafbedingte gesundheitliche Risiken
mit sich tragen, die angemessene und notwenige Versorgung
zukommen zu lassen.
Andrea Naica
Loebell 05.11.2005
http://sufizmveinsan.com
QUELLEN :
www.heise.de
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