Wir sind nur eine von 100 Milliarden Galaxien


Wir sind nur eine von 100 Milliarden Galaxien
Einmal mehr hatte sich der Mensch damit einer
vermeintlichen Sonderstellung im Universum beraubt.
Schon Kopernikus hatte ihn aus dem Zentrum des
Sonnensystems vertrieben; dieses rückte später aus dem
Mittelpunkt der Milchstraße an einen Randplatz. Und
nun fiel auch noch der Glaube, wenigstens das viel
größere Sternensystem, in dem wir hausen, sei der
Nabel der Welt. Heute wissen wir, sagt Matthias
Steinmetz, der Astrophysiker aus Potsdam, dass die
Milchstraße eine ziemlich typische Galaxie ist - eine
unter 100 Milliarden: "Sie hat wie drei Viertel der
Galaxien eine Spiralform. Sie hat einen ?Bulge' - eine
Verdickung im Zentrum - und ein Schwarzes Loch".

Mit 220 Kilometer pro Sekunde durch das All
Um dieses unheimliche Zentrum kreist in etwa 26 000
Lichtjahren Entfernung unsere Sonne. Obwohl diese auf
ihrem Orbit Schwindel erregende 220 Kilometer pro
Sekunde zurücklegt, benötigt sie 240 Millionen Jahre
für eine Runde. Sie bewegt sich dabei in der so
genannten "dünnen Scheibe" der Galaxis, die eingehüllt
ist von der "dicken Scheibe". Das Ganze umschließt der
nahezu kugelförmige "Halo", eine Sphäre, in der alte
Einzelsterne und Kugelsternhaufen, Cluster aus einer
Million Sonnen, auf wilden Bahnen um das Zentrum
schwirren - wie Motten um das Licht.

Wie die Milchstraße entstand
Als die Architektur unseres Hauses im All einigermaßen
geklärt war, drängte sich eine neue Frage in den
Vordergrund: jene nach seiner Entstehung, seiner
Baugeschichte. Aus dem, was 1962 bekannt war,
destillierten drei US-Forscher - Olin Eggen, Donald
Lynden-Bell und Allan Sandage - einen ersten
Erklärungsversuch: Vor zehn Milliarden Jahren hat sich
eine gigantische Wolke aus Helium- und Wasserstoffgas
zusammengeballt. An einigen Stellen verdichtete sie
sich immer weiter, bis schließlich das Sonnenfeuer
zündete - ein Prozess, aus dem Einzelsterne und
Kugelsternhaufen hervorgingen. Während sie blieben, wo
sie entstanden waren, und den Halo bildeten,
kollabierte das übrige Gas zu einer schnell
rotierenden Scheibe - der Heimat der nächsten
Sternengeneration.

Bald nach Veröffentlichung dieses Modells zeigten sich
jedoch Widersprüche: So tauchten etwa im Halo Sterne
auf, die bis zu drei Milliarden Jahre jünger waren.
Die Vorstellung, die Milchstraße sei in einem großen
Wurf - die Astronomen sprechen vom "monolithischen
Kollaps" - entstanden und altere seither vor sich hin,
ließ sich nicht halten. Neue Ideen waren gefragt.

03.01.2007
http://sufizmveinsan.com