In der Galaxie NGC 1316 hat die
Nasa ein kosmisches Grinsegesicht fotografiert. Zwei
Supernovae sind für diesen extrem seltenen Anblick
verantwortlich. Sie explodierten fast gleichzeitig - und
machen NGC 1316 zum aktivsten jemals beobachteten
Sternen-Friedhof.
"Die Bilder sind sehr ungewöhnlich - und sehen
lustig aus, wie ein Gesicht", sagte Stefan Immler.
Unter seiner Leitung haben Forscher am Goddard Space
Flight Center der Nasa Daten des Satelliten "Swift"
ausgewertet. Der hatte die 75 Millionen Lichtjahre
entfernte Galaxie NGC 1316 ins Visier genommen. Die
Nasa bezeichnet das Sternsystem als den "erstaunlichsten
bekannten Produzenten von Supernovae".

Im Lauf der vergangenen 26 Jahre seien gleich
vier Sternenexplosionen beobachtet worden. "Das ist
die höchste Supernova-Rate aller jemals beobachteten
Galaxien, rund sechs Mal höher als erwartet", sagte
Immler zu SPIEGEL ONLINE. In großen Galaxien
erwarten Astrophysiker und Astronomen
durchschnittlich nur drei Supernovae - pro
Jahrhundert.
Noch ungewöhnlicher ist jedoch, dass die beiden
jüngsten Sternenexplosionen - auf die Namen SN2006dd
und SN2006mr getauft - nach kosmischen Maßstäben
nahezu gleichzeitig auftraten. Die erste Supernova
nahm "Swift" Mitte Juni, die zweite Anfang November
dieses Jahres auf. Daher kann man in dem Bild, das
Immlers Team aus optischen, infraroten und Radar-Daten
des Satelliten errechnet hat, die beiden hellen
Feuerbälle der Explosionen gemeinsam sehen.
Art der Explosionen lässt Forscher rätseln
Die beiden scheinen die Augen eines grinsenden
Gesichts zu bilden. Dementsprechend ist die Nase das
hell erleuchtete Zentrum der Galaxie. Der vierte
helle Punkt am linken Rand, den die Nasa scherzhaft
als Ohrring bezeichnet, hat weder mit NGC 1316 noch
mit einer Sternenexplosion zu tun: Er gehört
schlicht nicht zur Galaxie, sondern liegt zwischen
ihr und der Erde - ein Vordergrundstern, der "Swift"
in die Optik geraten ist.
NGC 1316 ist ein großer Brocken, spätestens seit
sie sich eine benachbarte Spiralgalaxie einverleibt
hat. Die Galaxie selbst hatte die Form einer Ellipse.
Solche kosmischen Fusionen führen zu häufigeren
Supernovae, das wussten Himmelsforscher bereits.
Umso mehr rätseln sie nun über die beobachtete
Häufung.
Denn die vier Sternenexplosionen seien vom Typ Ia.
Diese Sorte tritt zwar erfahrungsgemäß in alten
Galaxien auf, wurde bislang jedoch nicht als Folge
der Verschmelzung zweier Sternensysteme beobachtet.
"Wir haben eine Gruppe aus den besten Supernova-Experten
gebildet, um herauszufinden, was hier vor sich geht",
sagte Immler.
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