Nicht nur Biologen interessieren sich für die DNA. Eine
bislang unbekannte physikalische Eigenschaft des
Erbgutmoleküls haben japanische Forscher jetzt entdeckt.
Molekularbiologen sind längst nicht mehr die einzigen, die
das Erbgutmolekül DNA erforschen. Auch Physiker nehmen sich
des Moleküls mehr und mehr an und entdecken dabei
überraschende Eigenschaften. Die neueste Entdeckung kommt
von Wissenschaftlern des Chitose-Instituts für
Naturwissenschaften und Technologie in Japan. Sie entdeckten,
dass DNA unter bestimmten Umständen Laserlicht aussenden
kann.
Die optischen Eigenschaften der DNA
Die Experimente der Wissenschaftlergruppe von Yutaka Kawabe
könnten den Weg zu kompakten Festköperlasern weisen, die
Laserlicht in vielen verschiedenen Farben aussenden. Solche
Laser würden zudem energiesparend und einfach anzuwenden
sein.
Ausgangspunkt der Experimente des Teams war eine Lösung aus
DNA und Fettsäuren, zu der der Farbstoff Hemicyanin gegeben
wurde. Die Farbstoffmoleküle lagerten sich zwischen die
ähnlich Leitersprossen angeordneten Basenpaare der DNA-Doppelhelix
an, wobei sie stets einen Abstand von mehreren Dutzend «Sprossen»
einhielten. Die Wissenschaftler stellten nun einen wenige
Tausendstel Millimeter dünnen Film aus dieser DNA-Farbstoffmischung
her und untersuchten dessen optische Eigenschaften.
Lumineszenz im roten Spektralbereich
Dazu schossen sie kurze Laserlichtblitze auf den Film.
Derart angeregt sandte dieser Lumineszenzlicht im roten
Bereich des Spektrums aus. Erhöhten die Forscher die
Intensität des Anregungslichts, stieg die Intensität des
Lumineszenzlichts ab einer bestimmten Anregungsschwelle
übermäßig stark an. Gleichzeitig nahm seine spektrale Breite
ab.
Beide Effekte - die starke Zunahme der Lumineszenz sowie die
spektrale Verengung - sind Anzeichen für die Entstehung von
Laserlicht. Das ist umso überraschender, als Hemicyanin kein
Laserfarbstoff ist und ohne DNA kein Laserlicht aussenden
kann. Die Forscher spekulieren, dass die Einbettung in die
Doppelhelix der DNA die elektronischen Energiezustände der
Farbstoffmoleküle abändert und so die Aussendung von
Laserlicht ermöglicht.
Um einen «vollwertigen» Laser aus derartigen DNA-Filmen
herstellen zu können, müssen diese in eine Spiegelkammer
gebracht werden. Dort könnte sich das Lumineszenzlicht
lawinenartig selbst verstärken. Zuvor müssen die Forscher
jedoch noch ein Verfahren für die routinemäßige Herstellung
sehr reiner Filme ausarbeiten. (nz/jkm)
Artikel vom 25.04.2006
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